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Der Porzingis-Trade

Die New York Knicks sorgten am vergangenen Donnerstag für eine Sensation, als sie innerhalb weniger Stunden einem Trade von Kristaps Porzingis zu den Dallas Mavericks zustimmten. What the fuck happened?

 

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/// New York Knicks /// /// Dallas Mavericks ///
Dennis Smith Jr. Kristaps Porzingis
Deandre Jordan Tim Hardaway Jr.
Wesley Matthews Courtney Lee
DAL First Round Pick 2021 Trey Burke
DAL First Round Pick 2023

Dallas Mavericks

Über etliche Jahre haben die Mavs immer wieder versucht, die großen Namen der Free Agency nach Dallas zu locken – ohne Erfolg. Der Trade signalisiert vorerst das Ende dieser Taktik. Durch die Verträge von Hardaway Jr. und Courtney Lee verlieren sie Cap-Flexibilität im kommenden Sommer. Hinzu kommt die Verlängerung von Porzingis, dem sie einen Maximalvertrag anbieten werden und eine Spieleroption von THJ für die Spielzeit 2020/21.

Dallas interessiert das jedoch nicht, denn schließlich haben sie gerade einen 2,20 m großen Center mit dem Touch eines Guards verpflichtet. Ein Spieler, der vorne Logo-Range beweist und hinten den Ring beschützt.

Dallas möchte mit Porzingis und Doncic ein Euro-Powerhouse im Westen schaffen und setzt darauf, dass sich Spieler in Zukunft dem Duo anschließen wollen. Das Potenzial der beiden gemeinsam auf dem Feld ist enorm, daran besteht kein Zweifel. Dazu muss Porzingis jedoch erst von seinem Kreuzbandriss zurückkehren und zeigen, dass er der Alte ist. In dieser Saison wird das wohl nicht mehr passieren.

Eine andere Variable hierbei sind Kristaps eigene Intentionen. Es tauchten bereits erste Berichte auf, die behaupteten der 23-Jährige wäre gewillt, im Sommer die Qualifying Offer anzunehmen. Damit würde er seiner Restricted Free Agency entgehen und im Sommer 2020 Unrestricted Free Agent werden. Er hätte also mehr Kontrolle über seine Zukunft. Finanziell gesehen, entgingen ihm damit allerdings mehrere Millionen Dollar. 

Jedoch halte ich es für nahezu ausgeschlossen, dass der Trade zustande kommt, hätten die Mavericks im Vorfeld keine Anzeichen von Kristaps und seinem Camp erhalten, dass er sich eine Zukunft in Dallas vorstellen könne. Warum auch nicht? Er ist mit Doncic ohnehin befreundet und kommt zu einer Franchise, die für ihren Umgang mit internationalen Spielern bekannt ist. Wenn ihm die Mavs im Sommer das Geld anbieten, wird er es vermutlich auch nehmen – und zwar zurecht.

Der Lette war vor seiner Verletzung schließlich ein All-Star und potenzieller All-NBA-Spieler. Allzu viele Spieler dieser Art gibt es nicht. Schon gar nicht mit KPs einzigartigem Skillset! Läuft also alles so wie es sich die Mavericks vorstellen, haben sie einen echten Homerun hingelegt. Jeder sollte sich vor Augen halten, dass sie es geschafft haben, Trae Young und Dennis Smith Jr. in Luka Doncic und Kristaps Porzingis umzumünzen. Eigentlich ist das nicht zu glauben.

Bevor die Mavericks allerdings grenzenlos in den Himmel gelobt werden, gibt es etwas, dass beachtet werden sollte: Mit der Verpflichtung von Porzingis wurde der Rebuild nicht unbedingt beendet, jedoch immens beschleunigt. Das bedeutet auf der einen Seite natürlich Fortschritt und Playoff Hoffnungen. Auf der anderen Seite erhöhen sich Druck und Erwartungen für Spieler und Franchise gleichermaßen.

Selbst wenn Porzingis gestärkt zurückkommt und sich Luka weiter entwickelt, reicht das für die Playoffs im kommenden Jahr? Ich bin mir nicht sicher. Ist Porzingis zudem damit einverstanden, den Sidekick von Doncic zu spielen – gerade wenn es mal nicht so läuft? Bisher war er der Mann, um den sich in New York alles gedreht hat, doch sind wir ehrlich: Die Mavs sind Lukas Team. Der Druck auf eine Franchise, etwas zu verändern, kann in solchen Situationen enorm schnell wachsen. Großen Handlungsspielraum, um das Team weiter zu verbessern, hat Dallas wiederum nicht. Weder Capspace, Draft Picks noch interessante junge Spieler können sie in naher Zukunft anbieten.

Diese Probleme müssen selbstverständlich nicht auftreten. Die aktuelle Situation der 76ers zeigt jedoch auch, dass es keineswegs undenkbar ist. Diskussionen über momentanen Erfolg, möglichen Erfolg, Spielanteile oder Spielweise machen die Runde, obwohl der Process erst seit einem Jahr offiziell als beendet gilt. So schnell kann es gehen. Egos spielen hier eine große Rolle und es wird sich zeigen, wie geduldig die beiden aufstrebenden Stars der Mavericks sind und wie viel Vertrauen sie in das Management haben.


New York Knicks

Puh. Die Knicks gehen mit diesem Trade ein immenses Risiko ein. Sie geben den eigenen Homegrown-Star – das Einhorn, den Retter – weit unter Wert ab und positionieren sich klar für den kommenden Sommer. Durch die Transaktion kreiert New York ungefähr 74 Millionen Dollar in Capspace und bietet dadurch nicht nur einem, sondern gleich zwei Max-Free-Agents die Möglichkeit, sich ihnen anzuschließen. Normalerweise werden junge Stars allerdings nicht für das Loswerden ungewollter Verträge verwendet.

Die Führungsriege der Knicks ließ seit der Verpflichtung von GM Scott Perry immer wieder verlauten, dass sie beständig und geduldig über die Draft aufbauen will. Am Donnerstag trennten sie sich jedoch genau von dem einen Spieler, den sich jedes Team in der Draft wünscht. Und das nur, um große Namen in der Free Agency zu jagen? Von geduldigem Aufbau kann hier nicht mehr die Rede sein. Von rationalem Denken auch nicht. Was ist passiert?

Perry bestätigt in diesem Interview die Aussagen von President of Basketball Operations Steve Mills, der bereits einen Tag zuvor eine Erklärung abgab. Die Verantwortlichen waren immer mehr der Auffassung, dass Porzingis seine Rolle mit der Franchise hinterfragt. Als Kristaps und sein Agent, Bruder Janis Porzingis, am Donnerstag schließlich den Wunsch nach einem Trade äußerten, hatte New York bereits einige Angebote gesammelt und entschied sich rasch für das Paket der Mavs.

Glauben wir den Aussagen des New Yorker Front Office, stellt sich das Ganze für die Knicks folgendermaßen dar: Dein verletzungsanfälliger Starspieler verliert sechs Monate, bevor du ihn mit seinem ersten fetten Vertrag ausstatten sollst, das Vertrauen in die Franchise. Möglicherweise befürchteten die Knicks ebenfalls eine Situation, in der Porzingis die Qualifying Offer annimmt und sie anschließend als Free Agent verlässt. Die offiziellen Aussagen der Verantwortlichen verlauten zudem, dass sie einem Spieler, der nicht mehr Teil ihres Teams sein möchte, keinen Maximalvertrag aushändigen möchten.

Bei den Aussagen von Perry und Mills kommt allerdings zu kurz, wie es dazu kam, dass Kristaps kein Teil der Knicks mehr sein wollte. Porzingis ist geprägt von der Phil Jackson Ära, vier Coaches in nicht mal vier Jahren und Jim Dolan als Besitzer. Er sah dabei zu, wie in Carmelo Anthony eines seiner Idole zum Sündenbock gemacht und aus der Stadt gejagt wurde. KP hat auch nicht Derrick Rose per Trade verpflichtet oder Joakim Noah, Tim Hardaway Jr. und Courtney Lee viel Geld geboten. Dass der Junge irgendwann Zweifel an der Kompetenz der Franchise bekommt, ist doch klar.

Wir sprechen von einer Franchise, die Hardaway Jr. 2013 in der Draft zieht, ihn 2015 nach Atlanta transferiert, nur um ihn 2017 überzubezahlen und 2019 erneut wegzuschicken. Hätten die Knicks ein paar dieser Fehler vermieden, hätten sie im kommenden Sommer womöglich den finanziellen Spielraum gehabt, den sie jetzt durch das Verschiffen des eigenen Franchise-Players kreiert haben. Es gibt trotzdem auch Gründe, die für diesen Trade sprechen.

Jedes Jahr haben nur zwei bis drei Teams wirklich das Zeug dazu, den Titel zu gewinnen. In den letzten Jahren waren es die Warriors, die Teams von LeBron James sowie mit Abstrichen die Houston Rockets und Oklahoma City Thunder (mit Kevin Durant). Ball- und Spielerbewegung sowie Selbstlosigkeit sind schön, doch es lässt sich argumentieren, dass es am Ende auf das Talent in der Spitze ankommt.

Die Knicks erhalten durch diesen Move die Chance, zwei Spieler zu verpflichten, die mit einem Schlag den Unterschied machen können – allen voran Kevin Durant und Kyrie Irving. Doch wie realistisch ist das und was wäre die Alternative?

Sagen wir die Knicks behalten Porzingis und kreieren genug Capspace, um einen Max-Free-Agent zu verpflichten.

In diesem Szenario müssen die Knicks immer noch Hardaway Jr. oder Courtney Lee abgeben, ohne langfristige Verträge aufzunehmen. Höchstwahrscheinlich hätten sie auch First-Round-Picks draufpacken müssen. Schaffen sie es anschließend nicht, Durant zu verpflichten, rangieren sie im Niemandsland der Liga. Da spielt es keine Rolle, ob gar kein Free Agent verpflichtet wird oder New York sich entscheidet beispielsweise Kemba Walker zu bezahlen. Um einen Titel werden sie damit nicht spielen.

In einem Szenario, in dem sie Durant überzeugen können, bleibt jedoch ebenfalls ein Risiko bestehen. Kommt KP gesund zurück? Kann er seiner Verletzungshistorie trotzen? Unterzeichnet er eine Vertragsverlängerung oder nimmt er die Qualifiying Offer? Verfügen sie über genügend Assets, um das Team in Zukunft zu verbessern? Es blieben also einige Fragen offen, auch wenn die Kombination eines zufriedenen und gesunden Porzingis gepaart mit Durant natürlich sehr vielversprechend ist.

Die Alternativen verdeutlichen jedoch, dass der eine Spieler, den die Knicks auf jeden Fall brauchen, um wieder ganz vorne anzugreifen, Kevin Durant ist – nicht Kristaps Porzingis. Ohne KD haben sie in naher Zukunft keine Chance den Titel zu gewinnen. Durch den Trade mit den Mavericks hat New York nun eine Situation geschaffen, in der sie Durant die Wahl lassen können, mit wem er zusammen spielen möchte (wink wink „I DONT OWE ANYBODY SHITTT“ Kyrie Irving). Zudem haben sie ein paar junge Spieler und sieben First-Round-Picks in den nächsten fünf Jahren, die sie in Zukunft ummünzen können. Darunter möglicherweise auch der erste Pick der kommenden Draft.

Es lässt sich natürlich auch nicht ignorieren, dass bereits seit dem Sommer hartnäckige Gerüchte kursieren, Durant habe großes Interesse daran, sich den Knicks 2019 anzuschließen. Sein Agent Rich Kleiman hat eine enge Verbindung zu New York und hat bereits in der Vergangenheit verlauten lassen, dass er gerne für die Knicks arbeiten würde. Angeblich wird eine zukünftige Stelle für Kleiman im Front Office auch Teil des Pitches sein, mit dem die Knickerbockers Durant überzeugen wollen.


Alles in allem wird es erst in den kommenden Jahren möglich sein, den Trade abschließend zu bewerten. Beide Teams gehen ein Risiko ein. Dallas verpflichtet einen Spieler, der seit einem Jahr kein Spiel absolviert hat und hofft, in Kombination mit Doncic sein eigenes Super Team aufzubauen. Flexibilität und Handlungsspielraum haben sie allerdings eingebüßt.

Die Knicks hingegen setzen alles auf eine Karte. Für die Chance auf einen sofortigen Titelkandidaten geben sie den romantischen Traum auf, mit dem eigens entwickelten Superstar den Titel zu gewinnen. Die Knicks können viel gewinnen. Geht ihr Plan jedoch nicht auf, laufen sie Gefahr, ihren besten Spieler seit Patrick Ewing dafür verwendet zu haben, schlechte Verträge loszuwerden.

 

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